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Parkinson-Informationstag 2023: Ernährung

Anfang Juli 2023 führte das Rehazentrum Valens gemeinsam mit der Organisation Parkinson Schweiz wieder einen Parkinson-Informationstag durch. Der jährliche Anlass richtet sich an Betroffene, Angehörige und die interessierte Öffentlichkeit. Die Vortragenden thematisierten dieses Mal den Zusammenhang zwischen der Ernährung und der Erkrankung, nicht-motorische autonome Symptome sowie musisch-rhythmische Therapieformen. Am Infostand von Parkinson Schweiz erhielten die Anwesenden Informationsmaterial und Beratung zu verschiedenen Themenfeldern rund um die Parkinson-Erkrankung.

Morbus Parkinson (oder idiopathisches Parkinson-Syndrom) ist eine langsam fortschreitende Erkrankung des Nervensystems, von der schweizweit über 15’000 Menschen betroffen sind. Typische Symptome sind motorische Verlangsamung (Akinese), Zittern (Tremor), Muskelsteifigkeit (Rigor) und Sturzneigung. Im Rahmen des Parkinson-Informationstages konnten sich die rund 60 teilnehmenden Personen nach einem gemeinsamen Mittagessen darüber austauschen und von den Fachreferaten der Ernährungsberaterin und Diplom-Oecotrophologin Ruth Bauer und des Leitenden Arztes Neurologie Prof. Dr. med. Veit Mylius profitieren. Das Team der Kreativ- und Musiktherapie sprach im Anschluss über die Wirkungen von Musik und Rhythmus und ergänzte seinen Vortrag mit einem kurzweiligen Trommel-Workshop.

Eiweiss- und ballaststoffreiches Essen als wichtige Stütze bei Parkinson

Parkinson-Betroffene können im Rehazentrum Valens neben den verschiedenen Behandlungen auch eine Ernährungsberatung in Anspruch nehmen. Ruth Bauer machte in ihrem Vortrag deutlich, dass es dabei nicht um strenge Ernährungsvorschriften gehe, sondern darum, die Freude am Essen mit einer gesunden und nahrhaften Kost zu verbinden. Sie machte darauf aufmerksam, dass Parkinson-Betroffene häufig an Gewicht verlieren – unter anderem aufgrund von Schluckstörungen – und dass in diesen Fällen eine Unterversorgung mit Nährstoffen auftreten könne.

Als die wichtigsten Eckpunkte einer guten Ernährung bei Parkinson nannte Ruth Bauer eine ausreichende Versorgung mit Eiweiss, Ballaststoffen und vitaminreichem Gemüse und Obst. Es wurde auch die verminderte Wirkung des Parkinson-Medikamentes Levodopa durch Eiweiss angesprochen – die Einnahme 30 Minuten vor oder 1 Stunde nach dem Essen sei hier entscheidend. Auf keinen Fall sollte Eiweiss gemieden werden, es sollte nur nicht gleichzeitig mit Levodopa eingenommen werden. Eine weitere, nicht unbedingt allgemein bekannte Information teilte Ruth Bauer bezüglich der sogenannten «resistenten Stärke», die entsteht, wenn stärkehaltige Lebensmittel wie Teigwaren oder Kartoffeln über längere Zeit (12 bis 24 Stunden) abkühlen. Diese würde ebenfalls zu den Ballaststoffen zählen und sei damit ein wertvoller Ernährungsbestandteil.

Zur Unterstützung, besonders bei Betroffenen mit starken Verdauungsbeschwerden, empfiehlt die Expertin, auch probiotische Nahrungsergänzungsmittel in Betracht zu ziehen, also solche, die wünschenswerte Darmbakterien enthalten. Schlussendlich gehe es immer darum, dass die guten Darmbakterien die Oberhand behalten – gefördert werden könne dies gut mit einer präbiotischen, ballaststoffreichen Ernährung, die zu einer einwandfreien Verdauung und Nährstoffaufnahme und damit zum allgemeinen Wohlbefinden beitrage.

Die nicht-motorischen Symptome besser verstehen und Medikation anpassen

Die Parkinson-Krankheit führt nicht nur zu den bekannten motorischen Symptomen. Patientinnen und Patienten leiden beispielsweise auch unter Schwindel beim Aufstehen, Störungen der Blasenfunktion oder unter Schluckstörungen und damit vermehrtem Speichelfluss. Prof. Dr. med. Veit Mylius gab in seinem Vortrag einen Überblick über die Ursachen und Therapien. Durch den «Parkinson-Befindlichkeitsspiegel» können nicht-motorische Symptome erfragt werden, womit diese Symptome besser aufgedeckt werden können (kostenlos erhältlich auf Parkinson.ch).

So kennen die meisten Parkinson-Patienten einen abfallenden Blutdruck beim Aufstehen, welcher zu Schwindel bis hin zur Bewusstlosigkeit führen kann. Manche Parkinson-Medikamente können dies noch verstärken. Ein um 20 Grad angehobener Oberkörper im Schlaf, viel Bewegung, ausreichend Flüssigkeitszufuhr oder aber bestimmte Medikamente können hier Abhilfe schaffen. Auch Bauchbandagen oder Stützstrümpfe können dabei helfen, den Blutdruck beim Aufstehen zu stabilisieren, indem sie dafür sorgen, dass nicht zu viel Blut «in den Beinen versackt», wie es Prof. Mylius vereinfacht ausdrückte.

Im Hinblick auf Beschwerden des Magen-Darm-Traktes wie Verstopfung wurde auf die Wichtigkeit von Präbiotika hingewiesen. Wahrscheinlich spielt die Zusammensetzung der Darmbakterien auch eine wichtige Rolle bei der Erstehung der Erkrankung und es besteht die Hoffnung, diese in der Zukunft auch über die Ernährung beeinflussen zu können. Erste Studien geben hier Anlass zur Hoffnung.

Musik und Rhythmus helfen bei Bewegungsarmut

Mit den Wirkungen von Musik und Rhythmus auf den menschlichen Organismus in Theorie und Praxis endete der informative Nachmittag. Das Team der Kreativtherapie im Rehazentrum Valens, Susanne Lippert-Lehle, Dipl. Kunsttherapeutin FH, Ursula Bentivoglio, Kunst- und Atemtherapeutin, und Marcella Burbach, Kunsttherapeutin BA, berichteten darüber, warum manche Rhythmen uns fast automatisch zum Bewegen bringen. Dies können sich besonders auch Parkinson-Patientinnen und -Patienten zunutze machen. Studien zeigen, dass Musik, Tanz und andere Rhythmusübungen wie das Trommeln eine signifikante Verbesserung im Gangbild von Parkinson-Betroffenen erreichen können. Die diesbezügliche Forschung besagt, dass die Basalganglien im Gehirn, die vom Parkinson-typischen Dopaminmangel betroffen sind, aktiviert werden und damit ein Ersatzstimulus bei fehlender Bewegung oder fehlenden äusseren Hinweisreizen (Cueing) in Gang kommt.

Die Anwesenden durften das direkt testen, und so gab es unter fachkundiger Anleitung eine kurze Djembé-Darbietung. Die Trommlerinnen und Trommler spürten den Effekt ebenso wie das restliche Publikum, das sich gerne und tatsächlich fast automatisch rhythmisch mitbewegte. Ein buchstäblich bewegender und eindrücklicher Programmschlusspunkt des diesjährigen, wiederum sehr abwechslungs- und informationsreichen Parkinsontages.

 

Parkinson Schweiz

Parkinson Schweiz unterstützt und verbessert die Lebensqualität von Parkinson-Betroffenen. Die Vereinigung sensibilisiert und informiert Ärztinnen und Ärzte, medizinisches und para-medizinisches Personal sowie die Öffentlichkeit.

Die gemeinnützige, von der ZEWO zertifizierte Vereinigung wurde 1985 von Ärzten und Interessierten gegründet und zählt über 6700 Mitglieder. Parkinson Schweiz ist die erste Anlaufstelle für Fragen rund um Morbus Parkinson. Die Vereinigung unterstützt Betroffene und Angehörige mit Angeboten wie kostenloser Beratung und Information sowie Kursen und Seminaren.

Kostenlose Broschüren, ein Parkinson-Tagebuch oder einen Parkinson-Befindlichkeitsspiegel finden Sie unter: https://www.parkinson.ch/shop/gratisbroschueren

 Mehr Informationen:

043 277 20 77

www.parkinson.ch