Digitale Unterstützung im Alltag: Beim diesjährigen Parkinson-Informationstag im Rehazentrum Valens erfuhren 80 Patienten und Angehörige wie die Swiss Parkinson App bei der Symptomerfassung, Medikamenteneinnahme und Therapie für Betroffene hilft.
Rund 15.000 Menschen in der Schweiz leben mit der Diagnose Morbus Parkinson. Für viele von ihnen ist der Alltag durch motorische Symptome wie beispielsweise Gangunsicherheit, Tremor, eingeschränkte Beweglichkeit und nicht-motorische Symptomen (wie z.B. Schmerz, Kreislaufbeschwerden, Gedächtnisstörungen oder Stimmungsschwankungen) geprägt.
Beim in Zusammenarbeit mit Parkinson Schweiz durchgeführten Parkinson-Informationstag am 3. Juli 2025 im Rehazentrum Valens stand deshalb, neben dem Training motorischer und der Therapie von resistenten Symptomen, ein innovatives Thema im Zentrum: der digitale Alltag mit Parkinson und insbesondere die Swiss Parkinson App, die von Dr. med. Julia Müllner, Oberärztin am Inselspital Bern und Mitentwicklerin der App, vorgestellt wurde.
Digitaler Begleiter im Alltag mit Parkinson
«Unsere Welt wird immer digitaler, doch in der Medizin ist die Digitalisierung noch nicht vollständig angekommen», sagte Julia Müllner zu Beginn ihrer Ausführungen. «Ich möchte zeigen, wie digitale Helfer Patientinnen und Patienten, aber auch Gesundheitsfachpersonen entlasten, stärken und vernetzen können.» Die App wurde speziell für Menschen mit Parkinson und ihre Angehörigen entwickelt – als täglicher Begleiter, der Orientierung, Struktur und Sicherheit bietet. Mit wenigen Klicks lassen sich beispielsweise Medikamentenerinnerungen programmieren, so dass Betroffene die Einnahme der Medikation nicht vergessen. Statt Zettelwirtschaft oder Unsicherheit sorgt das Smartphone für Verlässlichkeit und trägt so zur Therapietreue bei. Darüber hinaus bietet die App ein Symptomtagebuch, in dem Betroffene ihre Beschwerden – wie Zittern, Gangunsicherheit, Stimmung oder Schlafqualität – regelmässig dokumentieren können. Diese Einträge werden grafisch dargestellt und können somit beim nächsten Arztgespräch gezielt besprochen werden. Dadurch entsteht ein viel klareres Bild vom Krankheitsverlauf – auch für behandelnde Fachpersonen.
App erleichtert interprofessionelle Arbeit
«Die App merkt sich im Hintergrund, wann Medikamente genommen wurden, und verknüpft das mit der Beweglichkeit. So lässt sich nachvollziehen, wie die Therapie wirkt», erklärte Dr. Müllner. Die Expertin betonte, dass digitale Hilfsmittel nicht nur den Betroffenen helfen, sondern auch das interprofessionelle Arbeiten erleichtern: «Gerade für Therapeutinnen und Therapeuten, die nicht täglich mit Parkinson-Patienten arbeiten, sind solche Tools eine wertvolle Unterstützung.»
Ein besonderes Highlight sind die Übungsvideos, die von Physiotherapeuten, Logopäden und Fachärzten entwickelt wurden. Ob Gleichgewicht, Feinmotorik oder Stimmtraining – die Videos sind leicht verständlich, alltagsnah und können direkt zuhause ausgeführt werden. Die Nutzerinnen und Nutzer stellen sich ihr individuelles Bewegungsprogramm zusammen und erhalten auf Wunsch Erinnerungen, um «dranzubleiben». Ergänzt wird das Angebot durch kurze, verständliche Informationen zur Krankheit Parkinson, zum Verlauf und zu Behandlungsmöglichkeiten – ein digitaler Wissensspeicher für die Hosentasche.
Einfache Bedienung, starker Datenschutz
Die App ist mehrsprachig verfügbar (Deutsch, Französisch, Italienisch, Englisch), kostenlos und berücksichtigt personalisiert die Symptome des einzelnen Anwenders. Auch Angehörige, Therapeuten oder Ärzte können sie verwenden. Ausserdem ist sie auch für ältere Menschen leicht zu bedienen. «Ziel ist es, alle relevanten Informationen und Hilfen praktisch in der Hosentasche dabei zu haben», so Julia Müllner. «Denn wer seine Erkrankung und die Wirkmechanismen der Therapien versteht, ist motivierter, aktiv mitzumachen bei der Medikation, bei der Bewegung, im Alltag.»
Medizin, Bewegung, Austausch – ein runder Informationstag
Neben dem digitalen Schwerpunkt widmete sich der Informationstag weiteren wichtigen Aspekten der Parkinson-Erkrankung: Dr. med. Roxana Pönisch, Oberärztin im Rehazentrum Valens, sprach über Symptome, die wenig oder nicht auf Parkinson-Medikamente ansprechen – sogenannte «therapieresistente Beschwerden».
Anna Bernardo i Baldrich, Physiotherapeutin im Rehazentrum Valens, zeigte in einem lebendigen Vortrag, wie gezielte Bewegungstherapie den Verlauf der Erkrankung positiv beeinflussen kann. In einer offenen Diskussionsrunde tauschten sich Referierende und Gäste aus: viele nutzten die Gelegenheit, eigene Fragen zu stellen und Erfahrungen zu teilen.

Organisator des Parkinsontags im Rehazentrum Valens: Prof. Dr. med. Veit Mylius, Leitender Arzt Neurologie.

Dr. med. Julia Müllner, Oberärztin am Inselspital Bern, stellte die Swiss Parkinson App vor.

Anna Bernardo i Baldrich, Physiotherapeutin am Rehazentrum Valens zeigte den Zuhörerinnen und Zuhörern verschiedene Übungen.